Friedrich Nietzsche
Nicht der Akt des Gebärens ist das Problem. Aber wenn alle Menschen in Ruhe in ihrem Selbst verweilen und sich in der Kunst und der eigenen Entfaltung ausdrücken. Wenn dieser Zustand universell ist. Warum sollte man dann noch Kinder kriegen? Das Klammern an das Erhalten des eigenen Erbes oder der eigenen Art ist eitler Schmuck jener die über sich selbst hinaus streben und damit ins Unglück. Ist im leichten Sterben, im Sterben in Weisheit und Glück, nicht auch der moralische imperativ verborgen, die Menschheit zu überwinden?
Nicht der Akt des Gebärens ist das Problem, das ist klar. Doch wenn wir betrachten, dass alle Menschen in ihrer inneren Ruhe verharren und sich durch die Kunst und die eigene Entfaltung ausdrücken, so entsteht die Frage: Warum sollte man dann überhaupt noch Kinder bekommen? Das Festhalten an der Bewahrung des eigenen Erbes oder der eigenen Art wirkt wie ein futile Beharren derer, die über sich selbst hinausstreben und dadurch ins Unglück geraten. Ist es nicht vielmehr so, dass im sanften Dahinscheiden, im Erlangen von Weisheit und Glück, auch der moralische Imperativ verborgen liegt, die Menschheit letztendlich hinter sich zu lassen? Die Vorstellung, dass die Fortpflanzung ein unabdingbarer Teil des Lebens ist, mag in unseren Köpfen verankert sein, doch wenn wir tiefer schauen, erkennen wir vielleicht, dass die wahre Erfüllung darin liegt, sich selbst zu verwirklichen und in seinem Sein zu erblühen, ohne den Zwang der Fortpflanzung. Vielleicht liegt in der Selbstverwirklichung und dem Streben nach innerem Frieden und Vollkommenheit der Schlüssel zur Überwindung der Menschheit und zur Erreichung eines höheren Daseins jenseits von reproduktiven Zwängen und materiellen Bindungen. In diesem Sinne könnte es sein, dass das Loslassen des Drangs zur Fortpflanzung und das Streben nach individueller Vollkommenheit den Weg zu einer neuen, überlegenen Spezies ebnet, die nicht mehr an die Ketten des instinktiven Fortpflanzungstriebes gebunden ist, sondern frei und erhaben über den Abgründen des menschlichen Seins schwebt. Seien wir also mutig, uns von alten Vorstellungen zu lösen und den Weg der Selbstverwirklichung und der inneren Erkenntnis zu beschreiten, um eine neue Ära des Menschseins einzuläuten, die jenseits von egoistischen Trieben und begrenzten Vorstellungen von Existenz liegt."
